Käseherstellung ist ein traditionsreiches Handwerk, bei dem aus Milch durch kontrollierte biologische, chemische und mechanische Prozesse ein vielseitiges Lebensmittel entsteht. Je nach Milch, Kulturen, Gerinnungsverfahren, Verarbeitung und Reifung können dabei Käse mit völlig unterschiedlichen Aromen, Konsistenzen und Eigenschaften entstehen.
Doch wie wird aus flüssiger Milch eigentlich fester Käse? Welche Rolle spielen Milchsäurebakterien, Lab, Käsebruch und Reifekulturen? In diesem Artikel erklären wir die wichtigsten Schritte der Käseherstellung – von den Eigenschaften der Milch über die Gerinnung und Verarbeitung bis zur Reifung.

Die Grundlagen: Wie wird aus Milch Käse?
Milch besteht hauptsächlich aus Wasser. Daneben enthält sie unter anderem Milchfett, Milchzucker (Laktose), Mineralstoffe sowie verschiedene Eiweiße. Für die klassische Käseherstellung sind vor allem die Milcheiweiße von Bedeutung.
Eine besonders wichtige Rolle spielen die Kaseine. Sie liegen in der Milch als sogenannte Kaseinmizellen vor und können bei der Gerinnung ein Netzwerk bilden. In diesem Netzwerk werden unter anderem Fett und Wasser eingeschlossen. So entsteht die Grundlage für die spätere Käsemasse.
Die Molkenproteine verhalten sich anders. Ein großer Teil von ihnen bleibt bei der klassischen Labgerinnung in der Molke. Durch spezielle Verfahren und stärkere Erhitzung können Molkenproteine jedoch ebenfalls genutzt werden, beispielsweise bei der Herstellung bestimmter Molkenkäse.
Die wichtigsten Schritte der Käseherstellung
1. Auswahl und Vorbereitung der Milch
Die Ausgangsmilch prägt die Eigenschaften des späteren Käses. Neben Kuhmilch werden auch Ziegen-, Schafs- und Büffelmilch verwendet. Die verschiedenen Milcharten unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Fett, Eiweiß und ihrer natürlichen Zusammensetzung.
In der Käserei wird die Milch zunächst kontrolliert und je nach Herstellungsverfahren vorbereitet. Bei industriell hergestellten Produkten kann die Milch beispielsweise standardisiert werden. Bei handwerklich hergestellten Käsen können dagegen die natürlichen Eigenschaften der Milch stärker im Vordergrund stehen.
2. Rohmilch oder pasteurisierte Milch?
Je nach Käsesorte kann die verwendete Milch unterschiedlich behandelt werden. Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Rohmilch und thermisch behandelter Milch.
- Rohmilch: Sie wird nicht durch eine Pasteurisierung haltbar gemacht. Ihre natürliche Mikroflora und bestimmte Enzyme können dadurch stärker erhalten bleiben.
- Pasteurisierte Milch: Sie wird durch eine definierte Wärmebehandlung erhitzt, um die Zahl bestimmter Mikroorganismen einschließlich möglicher Krankheitserreger deutlich zu reduzieren.
- Andere thermische Verfahren: Je nach Produkt und Herstellungsverfahren sind auch andere Formen der Wärmebehandlung möglich.
Welche Behandlung verwendet wird, hängt unter anderem von der gewünschten Käsesorte, dem Herstellungsverfahren und den geltenden lebensmittelrechtlichen Vorgaben ab.
3. Zugabe von Starterkulturen
Bei vielen Käsesorten werden ausgewählte Milchsäurebakterien eingesetzt. Sie verwerten einen Teil der Laktose und bilden dabei Milchsäure. Dadurch verändert sich der Säuregrad der Milch.
Die verwendeten Kulturen haben außerdem Einfluss auf die spätere Entwicklung von Geschmack, Konsistenz und Reifung. Je nach Käsesorte kommen unterschiedliche Kulturen und Kombinationen von Mikroorganismen zum Einsatz.
Grundsätzlich unterscheidet man unter anderem zwischen mesophilen und thermophilen Kulturen, die unterschiedliche Temperaturbereiche bevorzugen. Welche Kultur verwendet wird, richtet sich nach dem jeweiligen Herstellungsverfahren.
4. Dicklegung und Gerinnung
Nun wird die flüssige Milch in eine feste oder gelartige Masse überführt. Dieser Vorgang wird als Dicklegung oder Gerinnung bezeichnet.
Bei vielen Käsen erfolgt die Gerinnung mithilfe von Lab. Das darin enthaltene Enzym Chymosin verändert einen Teil der Kaseinmizellen, sodass sich ein stabiles Netzwerk bilden kann. Nach einer gewissen Zeit entsteht eine schnittfähige Gallerte.
Eine andere Möglichkeit ist die Säuregerinnung. Dabei führt die Säuerung der Milch zu einer Veränderung der Kaseine, bis diese bei einem geeigneten Säuregrad ausfallen. Dieses Verfahren spielt beispielsweise bei bestimmten Frischkäsen eine wichtige Rolle.
5. Schneiden des Käsebruchs
Ist die Gallerte ausreichend fest, wird sie mit einem Messer oder einer Käseharfe geschnitten. Dabei entstehen kleine Stücke, die als Käsebruch bezeichnet werden.
Die Größe des Käsebruchs beeinflusst, wie viel Molke aus der Masse austreten kann. Kleinere Bruchstücke haben eine größere Oberfläche und geben im Allgemeinen mehr Molke ab. Größere Bruchstücke behalten dagegen tendenziell mehr Feuchtigkeit.
Dadurch kann der Käser die spätere Konsistenz und den Feuchtigkeitsgehalt des Käses gezielt beeinflussen.
6. Bruchbearbeitung und Nachwärmen
Nach dem Schneiden wird der Käsebruch je nach Käsesorte gerührt und teilweise erwärmt. Durch diese sogenannte Bruchbearbeitung lässt sich der weitere Molkeaustritt beeinflussen.
Bei bestimmten Schnitt- und Hartkäsen wird der Bruch zusätzlich nachgewärmt. Die Temperatur und Dauer dieses Schrittes unterscheiden sich je nach Käsetyp erheblich.
Das Ziel besteht darin, die gewünschte Feuchtigkeit und Struktur des Käsebruchs zu erreichen. Dadurch entstehen die Voraussetzungen für die typische Konsistenz des späteren Käses.
7. Formen und Pressen
Der Käsebruch wird anschließend in geeignete Formen gefüllt. Dabei kann weitere Molke ablaufen. Je nach Käsesorte reicht das Eigengewicht der Masse aus, während andere Käse zusätzlich gepresst werden.
Beim Pressen werden die einzelnen Bruchstücke enger zusammengeführt. Dadurch entsteht eine kompaktere Käsemasse und die gewünschte Form des Käselaibs oder Käsestücks.
8. Salzen
Das Salzen ist ein weiterer wichtiger Schritt der Käseherstellung. Käse kann beispielsweise trocken gesalzen oder in eine Salzlake gelegt werden.
Salz beeinflusst nicht nur den Geschmack. Es wirkt sich auch auf den Wasserhaushalt des Käses und auf die Entwicklung bestimmter Mikroorganismen während der Reifung aus.
Wie viel Salz verwendet wird und wie lange der Käse gesalzen wird, hängt stark von der jeweiligen Käsesorte ab.
Die Reifung: Wie entwickelt Käse seinen Geschmack?
Bei vielen Käsesorten ist die Herstellung nach dem Formen und Salzen noch lange nicht abgeschlossen. Während der Reifung verändert sich der Käse kontinuierlich.
Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Sauerstoff, Mikroorganismen und die Behandlung der Käseoberfläche können dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch die Dauer der Reifung unterscheidet sich erheblich zwischen den verschiedenen Käsesorten.
Proteolyse
Bei der Proteolyse werden Eiweiße schrittweise abgebaut. Dabei entstehen unter anderem Peptide und Aminosäuren. Dieser Prozess trägt wesentlich zur Entwicklung von Geschmack und Konsistenz bei.
Lipolyse
Bei der Lipolyse werden Fette teilweise in kleinere Bestandteile wie freie Fettsäuren zerlegt. Auch dieser Prozess kann zur Entwicklung charakteristischer Aromen beitragen.
Entwicklung der Käserinde
Bei vielen gereiften Käsen verändert sich während der Reifung auch die Oberfläche. Je nach Käsesorte können beispielsweise Weißschimmel, Rotschmierekulturen oder andere Mikroorganismen eine Rolle spielen.
Bei Blauschimmelkäse werden spezielle Schimmelpilze eingesetzt, die für die charakteristische Marmorierung und das typische Aroma sorgen.
Wie unterscheiden sich die Reifezeiten?
| Käsetyp | Typische Eigenschaften der Reifung | Beispiele |
|---|---|---|
| Frischkäse | Keine oder nur sehr kurze Reifung | Frischkäse, Quark |
| Weichkäse | Relativ kurze Reifung, häufig mit charakteristischer Rinde | Camembert, Brie |
| Schnittkäse | Reifung über mehrere Wochen oder Monate | Gouda, Edamer |
| Hartkäse | Häufig lange Reifung mit zunehmender Festigkeit und Aromaintensität | Parmesan, Bergkäse |
| Blauschimmelkäse | Reifung mit speziellen Schimmelkulturen | Roquefort, Gorgonzola |
Welche Faktoren beeinflussen die Käseherstellung?
Die Eigenschaften eines Käses entstehen nicht durch einen einzigen Herstellungsschritt. Viele Faktoren greifen ineinander.
- Milchart: Kuh-, Ziegen-, Schaf- oder Büffelmilch können unterschiedliche Eigenschaften mitbringen.
- Milchzusammensetzung: Fett, Eiweiß und Mineralstoffe beeinflussen die Käsemasse.
- Starterkulturen: Sie beeinflussen Säuerung und spätere Aromaentwicklung.
- Gerinnungsverfahren: Säure und Lab führen zu unterschiedlichen Strukturen.
- Bruchgröße: Sie beeinflusst den Molkeaustritt und damit die Feuchtigkeit.
- Temperatur: Sie beeinflusst unter anderem die Aktivität der Kulturen und die Bruchbearbeitung.
- Salzung: Sie beeinflusst Geschmack und Reifungsbedingungen.
- Reifung: Zeit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Oberflächenbehandlung prägen den endgültigen Charakter.
Handwerkliche und industrielle Käseherstellung
Die grundlegenden biologischen und chemischen Prinzipien der Käseherstellung sind bei handwerklicher und industrieller Produktion vergleichbar. Die konkrete Umsetzung kann sich jedoch deutlich unterscheiden.
| Merkmal | Handwerkliche Herstellung | Industrielle Herstellung |
|---|---|---|
| Produktion | Häufig kleinere Chargen und stärker handwerklich geprägt | Große Produktionsmengen und standardisierte Abläufe |
| Milch | Je nach Betrieb Rohmilch oder thermisch behandelte Milch | Häufig standardisierte und kontrollierte Milch |
| Prozesssteuerung | Erfahrung und handwerkliche Kontrolle spielen eine wichtige Rolle | Viele Prozesse werden automatisiert und überwacht |
| Reifung | Kann stark vom jeweiligen Betrieb und Reifekeller geprägt sein | Häufig kontrollierte und reproduzierbare Reifebedingungen |
| Geschmack | Kann je nach Saison, Milch und Herstellung variieren | Oft stärker auf gleichbleibende Produkteigenschaften ausgerichtet |
Käse selber machen zu Hause
Einige einfache Käsearten lassen sich auch zu Hause herstellen. Besonders Frischkäse und bestimmte säurebasierte Käse eignen sich für erste Versuche, weil sie keinen langen Reifeprozess benötigen.
Bei der Herstellung zu Hause sollte besonders auf Lebensmittelhygiene, saubere Arbeitsgeräte und die richtige Temperatur geachtet werden. Für länger gereifte Käse sind kontrollierte Bedingungen und entsprechendes Fachwissen besonders wichtig.
Grundausstattung für einfache Käseherstellung
- Ein geeigneter Topf aus Edelstahl
- Ein präzises Küchenthermometer
- Geeignete Starterkulturen oder andere für das Rezept vorgesehene Zutaten
- Ein langes Messer oder eine geeignete Käseharfe
- Ein sauberes Käsetuch und geeignete Formen
Bei Rezepten mit Lab oder speziellen Kulturen sollten immer die Anwendungshinweise des jeweiligen Herstellers beachtet werden.
Was passiert mit der Molke?
Bei der Käseherstellung entsteht neben der Käsemasse eine große Menge Molke. Sie enthält unter anderem Wasser, Laktose, Mineralstoffe und Molkenproteine.
Die Molke kann auf verschiedene Weise weiterverwendet werden. In der Lebensmittelindustrie werden beispielsweise Molkenproteine gewonnen oder bestimmte Molkenprodukte hergestellt.
Ein bekanntes Beispiel ist Ricotta. Bei seiner Herstellung werden Bestandteile der Molke durch Erhitzen ausgefällt und anschließend abgeschöpft.
Wie wird Käse haltbar gemacht?
Die Kombination aus Säuerung, Salz, reduziertem Wassergehalt und Reifung trägt bei vielen Käsesorten zur Haltbarkeit bei. Die Bedeutung der einzelnen Faktoren hängt vom jeweiligen Käsetyp ab.
Frischkäse enthält beispielsweise vergleichsweise viel Wasser und ist deshalb empfindlicher als viele lange gereifte Hartkäse. Hartkäse verliert während der Reifung einen Teil seines Wassergehalts und kann dadurch länger haltbar sein.
Käseherstellung und verschiedene Käsesorten
Die unterschiedlichen Herstellungsverfahren erklären einen großen Teil der Vielfalt, die wir bei Käse finden. Selbst bei ähnlicher Milchbasis können unterschiedliche Kulturen, Gerinnungsverfahren, Bruchgrößen und Reifezeiten zu deutlich verschiedenen Produkten führen.
Wenn du mehr über die verschiedenen Käsegruppen und Käsesorten erfahren möchtest, findest du in unserem Artikel „Käsearten: Die wichtigsten Käsesorten im Überblick“ weitere Informationen.
Käseherstellung einfach erklärt
Zusammengefasst beginnt die Käseherstellung mit geeigneter Milch. Je nach Käsesorte wird sie vorbereitet und gegebenenfalls thermisch behandelt. Anschließend kommen häufig Starterkulturen hinzu, bevor die Milch durch Säure oder Lab gerinnt.
Die entstandene Gallerte wird geschnitten und zum Käsebruch verarbeitet. Durch Rühren, gegebenenfalls Nachwärmen, Formen und Pressen wird der gewünschte Feuchtigkeitsgehalt und die passende Struktur erreicht. Anschließend wird der Käse gesalzen und bei vielen Sorten über einen bestimmten Zeitraum gereift.
Während dieser Reifung entwickeln sich die typischen Aromen, Konsistenzen und Oberflächen des jeweiligen Käses.
Fazit: Von der Milch zum fertigen Käse
Käseherstellung ist ein Zusammenspiel aus Milchqualität, Mikroorganismen, Enzymen, Temperatur, mechanischer Verarbeitung, Salz und Reifung. Jeder einzelne Schritt kann die Eigenschaften des fertigen Käses beeinflussen.
Genau diese Kombination macht die Welt des Käses so vielfältig. Vom cremigen Frischkäse über milden Schnittkäse bis zum lange gereiften Hartkäse entstehen durch unterschiedliche Herstellungs- und Reifeverfahren ganz verschiedene Geschmackserlebnisse.
Wenn du die verschiedenen Käsearten besser kennenlernen möchtest, lies auch unseren Überblick „Käsearten: Die wichtigsten Käsesorten im Überblick“.
Wichtiger Hinweis
Die Inhalte auf KaeseWissen.com dienen ausschließlich der allgemeinen Information, kulinarischen Weiterbildung und fachlichen Aufklärung. Sie ersetzen keine individuelle Beratung durch Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsfachkräfte oder andere qualifizierte Fachpersonen. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Allergien oder Unverträglichkeiten sollte eine geeignete Fachperson hinzugezogen werden.